Hermann Diedrich Hinrichs – vom Wiefelsteder Köthersohn zum Tischler in Oldenburg
Hermann Diedrich Hinrichs (28. Juni 1848 – 3. März 1938) wurde in Wiefelstede geboren. Er war das fünfte Kind von Gerd und Gebke Hinrichs, die dort eine Kötherstelle bewirtschafteten.
Eine Kötherstelle war ein kleiner landwirtschaftlicher Besitz. Anders als ein Vollbauer verfügte ein Köther nur über wenig Land, das vor allem der Selbstversorgung diente. Die Landwirtschaft allein reichte meist nicht zum Lebensunterhalt, sodass viele Köther zusätzlich einem Handwerk oder einer anderen Tätigkeit nachgingen.
Für Diedrich, wie er sich nannte; kam noch etwas Entscheidendes hinzu: das damals geltende Anerbenrecht. Der Hof wurde nicht unter allen Kindern aufgeteilt, sondern ging an einen einzigen Erben. In der Familie Hinrichs war dies sein älterer Bruder Hinrich (1845–1893). Die drei weiteren Geschwister waren die Schwestern Talke, Anna und Marie.
Für Hermann Diedrich war damit klar: Auf dem väterlichen Hof würde seine Zukunft nicht liegen. Wie viele nachgeborene Bauernsöhne musste er sich eine andere Lebensgrundlage schaffen.
Diedrich erlernte das Tischlerhandwerk. Nach Abschluss seiner Lehrzeit begab er sich – wie damals bei vielen Handwerksgesellen üblich – auf Wanderschaft, die sogenannte Walz. Die Gesellen zogen von Ort zu Ort, meist zu Fuß, und suchten unterwegs bei verschiedenen Handwerksbetrieben Arbeit. Auf diese Weise verdienten sie ihren Lebensunterhalt und lernten zugleich andere Arbeitsweisen, Menschen und Gegenden kennen.
Ein bequemes Leben war das nicht. Die jungen Handwerker lebten oft von der Hand in den Mund und mussten mit dem auskommen, was sie unterwegs verdienten.
Nach seinen Wanderjahren ließ er sich in der damaligen Residenzstadt Oldenburg nieder, um dort in der Kriegerstraße seine eigene Werkstatt zu errichten. Damit führte sein Weg von der bäuerlich geprägten Welt des Dorfes in die Stadt – ein Schritt, der schließlich auch den weiteren Weg unserer Familie bestimmen sollte.
Am 14. November 1873 heiratete er Margarethe (Meta) Siemen (1849–1925), die ebenfalls aus Wiefelstede stammte.
Die Familie
Hermann Diedrich und Meta hatten fünf Kinder:
Johann Heinrich (1874 – 1953)
Hermine Hinrichs, verh. Arnken (1876 – 1932)
Gerhard August (1879 – 1956)
Emil Diedrich Hinrichs (1881 – 1944) – mein Großvater
Martha Elisabeth Hinrichs, verh. Griese (1885 – 1961)
Leben und Arbeiten in der Kriegerstraße
Die Familie lebte in der Kriegerstraße in Oldenburg. Heute liegt diese Straße in der Nähe des Pferdemarkts und damit mitten in der Stadt. Als unsere Vorfahren aus Wiefelstede nach Oldenburg kamen, gehörte die Gegend jedoch noch zum ländlich geprägten Randbereich der damaligen Residenzstadt.
Im Haus Kriegerstraße 20 lebte Hermann Diedrich mit seiner Familie und hatte dort auch seine Tischlerwerkstatt.
Das Haus befindet sich noch heute im Besitz von Nachfahren der Familie aus der Linie von Martha Griese.
Fotos aus dem Jahr 1929, die mein Vater Carl Hinrichs vom Haus seines Großvaters aufnahm, vermitteln einen Eindruck von den damaligen Lebensverhältnissen. Die Familie führte kein begütertes Leben. Haus und Umgebung zeigen vielmehr anschaulich, wie eine Handwerkerfamilie zu jener Zeit lebte und arbeitete.
Die „krumme Straße“
Hermann Diedrichs Sohn August Hinrichs hat dem Leben in dieser Straße später ein literarisches Denkmal gesetzt. In seinem 1949 erschienenen hochdeutschen Roman Die krumme Straße schildert er das Leben in diesem Oldenburger Milieu.
Das Buch ist auch heute noch lesenswert, wenn man sich ein Bild davon machen möchte, wie die Menschen dort lebten und welchen Alltag unsere Vorfahren kannten.





















